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Weinhalde Kriens

2016 bis 2017

Beschaffung:
Wettbewerb auf Einladung
Auszeichnung:
2. Rang
Zusammenarbeit:
Lauber Ingenieure AG, Luzern & Appert Zwahlen Partner AG, Cham
Konstruktion:
Holzbauweise
Karte

Ort | Kriens hat einen ländlichen Ursprung. Im Zuge der sich rasant ausbreitenden Verstädterung im 20. und 21. Jahrhundert droht jedoch diese einst klare, ländliche Identität von Kriens verloren zu gehen. Gerade durch die Nähe zur Stadt Luzern ist Kriens von diesem Vorgang besonders betroffen. Man glaubt zwar die ländlichen Strukturen auf sozialer und kultureller Ebene nach wie vor zu erkennen, nicht oder kaum jedoch auf baukultureller Ebene. Gerade an Orten wie dem Sonnenberg scheint den Verfassern dieser Bezug zum Ursprung wichtig.

Absicht | Die Bebauung bezweckt auf baukultureller Ebene die ursprünglich ländliche Identität von Kriens zu stärken. Dies steht nicht in Konflikt mit der zeitgemässen Tendenz der verdichteten Bauweise, denn das «Ländliche» wird nicht alleine über das Volumen der Bauten definiert, sondern im Wesentlichen auch durch die Orientierung an vernakulären Vorläufern – u.a. in Bezug auf deren Typologie und Materialität. Dadurch kann eine Wohnbebauung einem ländlich geprägten Kontext zugeordnet und verortet werden. Das Ländliche wird weiter verstärkt, wenn tatsächlich grössere Flächen an naturbelassenen Freiräumen bestehen bleiben dürfen.

Topografie | Der Kanton Luzern ist geprägt von unterschiedlichen Geländeformen. Die Mittellandregion zeichnet sich durch offene, sanfte Hügelzüge aus, wo hingegen der voralpine Bereich – wie die Gemeinde Kriens – durch markantere Erhebungen und Talschaften charakterisiert ist. Seit jeher werden die Siedlungsplätze (Einzelhöfe, Häusergruppen und Dörfer) an topografisch markanten Stellen gewählt. Flurnamen nehmen Bezug auf diese Gegebenheiten. So meint zum Beispiel «Eggen» eine Geländekante, «Büel» eine Hügelkuppe oder «Halde» ein Abhang.

Setzung | Die Parzelle an der Weinhalde besteht aus einem gleichmässig geneigten Hang der im südlicheren Bereich der Parzelle steil abfällt. Die sich so über die gesamte Parzelle hinwegziehende Geländekante bietet sich als natürliche Gegebenheit für die Setzung der Häuser. Diese «Besetzung der Hangkante» – im Sinne einer Orientierung an markanter Geländeform – folgt einer traditionellen Art und Weise wie ein Siedlungsplatz in der Topografie gewählt wird. Nicht zuletzt entsteht durch diese Setzung im hinteren Teil der Parzelle ein grosszügiger nutzbarer Freiraum für Bewohner und Besucher und respektiert in hohem Masse die dahinterliegenden Liegenschaften.

Material | Im ruralen Kontext des Sonnenbergs bietet sich die Verwendung das Materials Holz an. Dieser Entscheid stellt auch einen Bezug zur ehemaligen Gärtnerei dar, deren jahrelange Prägung des Ortes nicht gänzlich verloren gehen soll. Bei der kunstruktiven Ausformulierung wird auf die Verwendung von Schnittholz viel Wert gelegt. Damit verbleibt auch die Wertschöpfung in der Region. Zudem bewahren möglichst leimfreie Schichten und Bauteile das vorzügliche Raumklima der Holzbauweise und die natürlichen Eigenschaften des Holzes.

Struktur | Aufbauend auf einem Betonsockel erhebt sich die Holzkonstruktion über vier Geschosse im Süden bzw. drei Geschosse im Norden. Die vorgelagerten Lauben greifen mit ihren Stützen über den Sockel und werden entlang des natürlich verlaufenden Geländes fundiert. Die Eingangsräume im Zentrum der Einheiten bilden auch strukturell das Rückgrat der Wohnungen. Unterzüge lasten auf den Kernen. Die daran anschliessenden Balkendecken zonieren auf selbstverständliche Weise die Räume. Jegliche Wände sind nichttragend und erlauben eine modulartige Bespielung der Wohneinheiten, die sich verändernden Lebensumständen anpassen lassen.

Typologie | Der Urtyp des ländlich regionalen Wohnhauses besteht aus dem «Vorder- und Hinterhaus» getrennt durch einen Mittelgang. Durch die Adaption dieses Grundprinzips wird die Typologie der Wohnhäuser entwickelt. Entlang des Mittelgangs kann das System erweitert und unterschiedliche Wohnungsgrössen generiert werden. Gleichzeitig lässt diese Struktur verschiedene Möglichkeiten der inneren Organisation zu. Dies bietet dem Käufer grosse Freiheiten in der Bespielung der Wohnung, zudem wird auch eine Monoorientierung der Bauten verhindert, bietet doch auch die Hangseite mit der Nähe zum Freiraum und den Gärten ein schönes Pendant zum Panorama und der Weite auf der Talseite.

Wohnen | Durch den unterschiedlichen Ausbau der Grundstruktur lassen sich unterschiedliche Wohnformen generieren. Ein kompletter Ausbau wie das Prinzip «Kammerung» schliesst jeden Raum für sich ab, beim Prinzip «Wohnhalle» wiederum werden die Räume lediglich durch die strukturellen Elemente zoniert – hier stehen die Stützen wie Skulpturen im Raum. Das Grundrisskabinett zeigt viele, jedoch nicht alle Möglichkeiten auf. Selbst eine loftartige Wohnform wäre denkbar. Die vorgelagerte Laube ermöglicht durch ihre Abstufung auch im Aussenraum eine zweiseitige Orientierung. Zudem garantiert diese Massnahme eine bestmögliche Privatsphäre. Jede Wohnung profitiert gleichermassen von der wunderbaren Aussicht.

Erschliessung | Erschlossen wird die Bebauung über die Oberhusrainstrasse. Die Verfasser sehen es als grosse Qualität, die beiden Quartiere (zumindest für den Langsamverkehr) miteinander zu vernetzen. Deshalb wird die Weinhaldenstrasse mit der Oberhusrainstrasse verbunden. Natürlich eingestreute Gehölze in freier Anordnung, verstärken den Charakter einer ruhigen Quartiersstrasse und eröffnen die Möglichkeit die aussenliegenden Besucherparkplätze auf selbstverständliche Art und Weise zu verorten. Die Parkierung ist in zwei Tiefgaragen untergebracht. Um diese kleinstmöglich zu halten, wird auf ein zweigeschossiges Parkierungssystem gesetzt.

Nachhaltigkeit | Ein Holzbau bietet beste Voraussetzungen für einen ressourcenschonenden Umgang mit unserer Umwelt. Dies betrifft beispielsweise auch den Bauprozess. Während die Baumeisterarbeiten erfolgen, werden die Holzbauelemente im Werk vorfabriziert, so dass die Bauzeit im stark abschüssigen Gelände wesentlich reduziert werden kann. Der gesamte Holzbau ist in wenigen Tagen aufgerichtet. Das moderate Öffnungsverhalten der Fassaden lässt die Anforderungen an die Gebäudehülle für die Wintermonate wirtschaftlich und unkompliziert erreichen. Die nach Süden orientierten Lauben verhindern zudem ein Überhitzen der Innenräume im Sommer.

Tragwerk | Auf dem als Massivbau erstellten Untergeschoss entstehen vier Geschosse in Holzbauweise. Die auf einheitlichen Rastermassen basierenden Grundrisse sind die Basis für den wirtschaftlichen Holzbau. Bei Hanglagen ist das geringe Gewicht von Holz gegenüber Stahlbeton ein grosser Vorteil, zudem führt die Trockenbauweise mit Vorfertigung zu schnellen Bauzeiten. Die Lastabtragung erfolgt auf vier Tragachsen: Die Aussenwände sowie die beiden Längsachsen in der Gebäudemitte. Dadurch ergeben sich für die sichtbaren Holzrippendecken wirtschaftliche Spannweiten bei flexiblen Grundrissen. Die Erschliessung mit Treppenanlage und Lift ist in Hybridbauweise geplant – die Wände bestehen aus gekapselten Brettsperrholz Elementen und die Treppen aus vorgefertigten Stahlbeton Bauteilen. Neben einer wirtschaftlichen Konstruktion profitiert das Gebäude von einer regelmässigen Steifigkeit bezüglich den Einwirkungen aus Wind und Erdbeben. Daraus resultieren minimale Abmessungen der Bauteile und Verankerungen. Für die Aussteifung sorgen die Kerne aus Brettsperrholz in U-Form unter den Tragachsen im Bereich der Badezimmer und Garderoben. In Querrichtung werden diese durch die Aussenwände und Wohnungstrennwände unterstützt.

Bauphysik | Eine gebundene Schüttung mit abgekoppeltem Zementunterlagsboden sorgt für einen zeitgemässen Schallschutz. Die Wohnungstrennwände werden zweischalig ausgeführt. Infolge der kompakten Bauweise der Aussenwände mit integrierter Dämmung können die Holzwände bis 120 mm schlanker gestaltet werden als im Massivbau.

Brandschutz | Bei der Erschliessung erfüllen die gekapselten Bauteile den erforderlichen Feuerwiderstand. Auf der Nordseite sind keine Massnahmen zum Verhindern des Brandüberschlags notwendig. Auf der Südseite im viergeschossigen Teil wird dieser durch die Lauben blockiert.

Freiraum | Die Positionierung der Wohnhäuser entlang der Hangkante schafft einen grossen, naturbelassenen Freiraum, welcher vielen Passanten noch aus den Zeiten der Gärtnerei präsent ist. Kleinere Gebäude, welche in ihrer Dimension und Setzung Bezug zum Reservoirhaus und anderen Kleinbauten im Quartier nehmen, liegen entlang der Erschliessung, bieten geschützte Veloabstellflächen und ein gemeinschaftliches Gartenhaus. Bänke an den Wegegabelungen laden zum Verweilen ein, während der Blick über das Tal gleitet. Weite, natürliche Wiesenflächen bieten ideale Voraussetzungen für ein Picknick im Freien und viel Platz zum Spielen. Ein an die ehemaligen Gewächshäuser erinnerndes Gartenhaus schafft Raum für Spiel- und Gartengeräte oder dient als Räumlichkeit für ein Haus- oder Quartierfest. Zudem können auf den weitläufigen Wiesenflächen Nutzgärten angelegt werden, im Sinne einer Aneignung des Aussenraumes.

Wegführung | Die Erschliessung der neuen Baukörper erfolgt über eine Hauptverbindung, welche ebenso die Quartiere der oberen und unteren Weinhalde für die Öffentlichkeit miteinander verbindet. Die Setzung der Neubauvolumen in die vorhandene Topografie sowie ein geschwungener dem natürlichen Hangverlauf angepasster Wegeverlauf vermag es sicherzustellen, dass alle Eingangsbereiche der Neubauten barrierefrei erreicht werden können. Im steilsten Bereich dieser Erschliessung beträgt das Längsgefälle auf einem Abschnitt ca. 12%, was der Norm für Wege in steilen Hanglagen entspricht.

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