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Wohnhäuser Sarnen

2015 bis 2023

Beschaffung:
Wettbewerb auf Einladung
Auszeichnung:
1. Rang
Zusammenarbeit:
freiraumarchitektur, Luzern
Status:
Quartierplan
Karte

Ort | Das Bitzighofen Quartier in Sarnen ist durch seine heterogene Bebauungsstruktur geprägt. Wohnhäuser, Industriebauten, Bauernhöfe und sogar ein Hochhaus sind hier auf engstem Raum zu finden. Auffallend gross sind die Differenzen der Massstäblichkeiten. Ein charakteristisches und übergeordnetes Thema ist nicht zu finden. Die Parzelle schöpft ihre Qualität insbesondere aus ihrer direkten Angrenzung an die Landwirtschaftszone, was der Sehnsucht nach naturnahmen Wohnen Rechnung trägt.

Absicht | Auf der Suche nach einer Identität, weiten die Verfasser den Blick auf einen reginonal verankerten, historischen Bautypus – dem Herrenhaus – aus. Diese markanten Bauten fanden mitten in der Landschaft ihren Platz – meist klar umgrenzt durch eine Mauer, die den Garten fasst. Durch die Adaption des Herrenhauses soll die Wohnbebauung in ihrem Kontext verankert werden. Gleichzeitig erhält die Bebauung eine Eigenständigkeit, die dem künftigen Bewohner ein zeitgemässes zu Hause bietet.

Setzung | Drei Punkthäuser werden zusammen mit deren Freiräumen schachbrettartig und gleichmässig auf der Parzelle verteilt. Diese Setzung ergibt eine Gleichwertigkeit der Häuser in Bezug auf die Ausrichtung, deren Aussenräume und der Zugänglichkeit. Jedes Haus profitiert von einem grosszügigen Freiraum, da die Häuser zueinander jeweils verschoben sind und sich so trotz hoher Dichte, grösstmögliche Aussenräume ergeben. Die Gebäudevolumen sind äusserst kompakt gehalten, was auch für die Tiefgarage gilt, so dass hochwachsende Bäume ihren Platz finden können.

Freiraum | Zwischen den Gebäuden spannt sich ein geschützter Hof auf, der sich der Landwirtschaftszone zuwendet. Als Erschliessungsraum bildet er die Adresse der Wohnhäuser und ist gleichzeitig Treffpunkt und Begegnungsort. Von Mauern gefasst umschliessen halböffentliche, formal gestaltete Gartenräume die drei Wohnhäuser. Sie bilden das räumliche Gegenüber der Gebäudevolumen und durchgrünen die Siedlung. Die kleinen Pavillionbauten in den Gärten erinnern an die Herrenhaustypologie mit ihren «Sommerhäuschen».

Material | Jeweils auf einem Betonsockel ruhend, manifestieren sich die drei Häuser in einer gemauerten Massivbauweise, mit umlaufenden und alternierenden Betonplatten. Die Dachflächen werden mit einem Doppelfalzdach aus Kupfer gedeckt. Die Holzmetallfenster, die Fensterläden und die Geländer erhalten die gleiche Farbigkeit. Durch die reduzierte Materialwahl strahlen die Häuser eine angenehme Ruhe aus, was zusammen mit den üppigen Grünelementen zu einem atmosphärischen Ganzen führt.

Struktur | Die Punkthaustypologie baut auf dem Zwiebelprinzip auf. Die Struktur entwickelt sich vom Zentrum nach Aussen. Im Zentrum liegt die vertikale Erschliessung. In einer zweiten Schicht sind die Nasszellen und Verteilräume der Wohnungen – eine Art Vestibül – angeordnet. In der äussersten Schicht, liegen die eigentlichen Wohnräume. Auch die Terrassen und sogar der Gartenraum können als Weiterführung dieses Prinzips gelesen werden. Die leichte Knickung der Fassade verfeinert die Gebäudevolumetrie.

Konstruktion | Als geeignetes Konstruktionsprinzip bietet sich die Massivbauweise an. Sämtliche Innen- und Aussenwände werden gemauert, Geschossdecken und Erschliessungskerne betoniert. Die Wohnhäuser sollen einen zeitlosen und robusten Ausdruck erhalten, der sich zwar selbstbewusst, aber auch mit einer gewissen Bescheidenheit ins Quartier einordnen soll.

Fassade | Die alternierdenden Terrassen prägen die Baukörper. Nicht zuletzt werden die Wohnungen so mit mehr Licht versorgt. Zudem ist es den Verfassern wichtig, den Häusern auf allen Seiten ein Gesicht zu verleihen – eine Rückseite gibt es nicht. Dies erhöht die Aufenthaltsqualität der Freiräume wesentlich. Nicht zuletzt profitiert so jedes Gebäude von derselben Standortqualität – es gibt kein Hinten und Vorne, keine Hirarchisierung – jedes Haus ist gleichwertig. Einzig die Farbigkeit des Mauerwerks variiert auf den zweiten Blick. Dies unterstreicht die Identität jedes einzelnen Hauses und verfeinert die Massstäblichkeit der Bebauung. Dieselbe subtile Divergenz ist auch in der Umgebungsgestaltung zu finden.

Zentraler Spielhof | Die Haupterschliessung erfolgt über den zentralen Spielhof. Die grosszügige Hartbelagsfläche bietet neben Treffpunkt und Begegnungsort einen durchgängigen Spiel- und Bewegungsraum. Drei grosskronige Bäume in gepflästerten Baumscheiben schaffen eine hofartige Atmosphäre.

Gärten | Die Gestaltung der Gärten geht aus den früheren Bauerngärten hervor, welche in der Region häufig vertreten sind. Ähnlich den benachbarten Hausgärten sind es vielfältig und flexibel nutzbare Grünräume. Die Gärten sind mit niedrigen Mauern gefasst, stehen aber – im Gegensatz zum Privatgarten – allen Quartierbewohnern zur Verfügung: Gemüse- und Kräutergärten, Grillplätze oder Spielbereiche für Kleinkinder sind hier möglich. Die Gärten unterscheiden sich thematisch in ihrer Grundstruktur und werden durch unterschiedliche Baumarten zoniert. Die flexible Grundgestaltung hält viel Handlungsspielraum für die Bewohner offen und lässt Vielfalt im Aussenraum entstehen.

Private Vorzonen | Die Aussenbereiche mit privatem Charakter sind den Wohnungen direkt vorgelagert und gehen fliessend in die gemeinschaftlichen Gartenräume über. Zum öffentlichen Eingangsbereich hin bilden formfreie Blütenhecken eine räumliche Distanz.

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